Die Sumbornquelle in Albig

Ältester Teil der Wasserversorgung der Gemeinde

von Günther Trautwein

Sumbornquelle in Albig

Albig gt.- Die öffentliche Wasserversorgung der Gemeinde war seit jeher schwierig, von Qualitätsproblemen und Knappheit geprägt. Erst 1996 wurde Albig endgültig an das regionale rheinhessische Versorgungsnetz angeschlossen und seitdem sind alle weiteren Zuflüsse vom Netz abgekoppelt.

Der älteste und noch heute existente Teil der ehemaligen öffentlichen Wasserversorgung, die Quelle auf dem Sumborn oberhalb der Ortslage, ist jedoch erhalten geblieben und noch heute speist sie einen Laufbrunnen auf dem Riegelplatz. Die Schicht-Quelle an den Flanken des Sumborn-Mühlberg-Galgenberg-Plateaus, an der Grenze zwischen Cyrenenmergel und Certitienkalk liegt bei 215m über NN. Die Ortslage von Albig bei 185 m NN. Die Schüttung betrug 1960 ca. 20 cbm/Tag. Im September 2017 wurden noch 6 cbm/Tag gemessen. Das Quellwasser ist wegen des Kalkgehaltes sehr hart und heute durch Düngemittel mit Nitrat belastet. Seit wann die Quelle für die Wasserversorgung genutzt wurde, kann nur spekuliert werden. Es ist anzunehmen, dass die Menschen in der Jungsteinzeit (es gibt Nachweise der Besiedlung) ihre Wasserversorgung allein über die vorhandenen Quellen, wie Sumborn und Faulborn sichergestellt haben. Anzunehmen ist auch, daß später die am Hammerstein dicht unterhalb der Sumbornquelle gelegene römische Villa Rustica von hier mit Wasser versorgt wurde. Die Quelle am Faulborn ist heute leider versiegt.

Abbildung 1: Die „Volontäre für Albig“ reinigen 2017 die Quelle und das zugehörende Wasserreservoir
Abbildung 1: Die „Volontäre für Albig“ reinigen 2017 die Quelle und das zugehörende Wasserreservoir

Ab dem 16. Jahrhundert gibt es handfeste Belege über die Quelle auf dem Sumborn. Im Weistum der Gemeinde von 1577/91 (Kopie von 1770) ist ein vom Sumborn her gespeister Laufbrunnen am Unteren Tor (heute Höhe Feuerwehrhaus) genannt. „Der dritte Brunnen vor der untersten Pforten, so vom Somborner Berg herab fließt“.

Die Quelle war mittels hölzernen und tönernen Rohren mit dem Brunnen an der „untersten Pforten“ verbunden. In einem Ratsprotokoll vom 17. September 1794 „veraccordiert Schultheiß Gerichten und gemein Vorsteher den unteren prunnen von Sonborn an das untere Tohr wie vorher springen zu lassen. Die darzustellenden Teucheln (Deicheln) per Schuh neue hölzerne fichten Erdstämme, welche an dünnen Theil zehen Zoll dick seyn müßen, per Schuh 14 xer (Kreuzer, neue Erdene zustellen-zulegen und zukitten per Schuh 7 xer, alte sowohl holtzene alß ertene neu-zulegen zu kitten wie nöthig per Schuh zwei Kreuzer, eine neue Büx? Zustellen 20 xer an Georg Adam Grieger ? Und - Georg Luksenburger von Finhen bey Mayntz dergestalten, daß sie autentische Arbeit zumachen versprechen, wobei dann die Gemeind die Teucheln zu gedachtem Finten ablangen (abholen), sie Brunnenmacher aber dabey gut autentisch Arbeit-und dabei 10 Jahr guth zuseyn versprechen. Unterschriften Gemeinderat und die beiden Brunnenmacher.

Abbildung 2: Tonröhren Länge: 46,5 cm  Durchmessser: 9,6 cm und 5,5 cm Die beiden Tonröhren stammen wahrscheinlich aus der Sanierung der Zuleitung im Jahr 1794
Abbildung 2: Tonröhren Länge: 46,5 cm Durchmessser: 9,6 cm und 5,5 cm
Die beiden Tonröhren stammen wahrscheinlich aus der Sanierung der Zuleitung im Jahr 1794

Nach Niederbringung eines neuen Brunnens im Bereich der heutige Buchenlandstraße/Anwesen Häußer und dem Bau eines Wasserhauses mit zwei je 50 cbm fassenden Kammern am Mittelweg/Sumborn in den Jahren 1901/02 wurde das Wasser der Sumbornquelle weiter ins Wasserversorgungsnetz der Gemeinde eingespeist. Auch nach der Niederbringung eines weiteren Brunnens im Jahr 1949 im Bereich Goldbach/Am Alten Brunnen änderte sich daran nichts. 1963 wurde am Mittelweg/Sumborn ein neuer Wasserhochbehälter in Betrieb genommen und 1972 ein neuer Tiefbrunnen am Gau Odernheimer Weg gebohrt. Dieser Brunnen wurde 1983 stillgelegt und durch Wasserzukäufe aus der Gemarkung Lonsheim ersetzt. Heute ist nicht mehr nachzuweisen, ob die Quelle auf dem Sumborn bereits 1963 oder erst 1972 vom Netz genommen wurde.

Mit dem Bau des Wasserhauses 1901/02 wurde auch die Sumbornquelle neu gefasst, aber in ihrem Grundbestand erhalten und ein heute noch vorhandenes 41 cbm fassendes Reservoir aus solidem wasserdichten Beton neben der Quelle gebaut.

Das Quellwasser wurde 1970 nach dem Abriss der Spritzbrühanlage auf dem Riegelplatz für einen von den Anliegern errichteten Springbrunnen genutzt. Die spricht dafür, dass die Sumbornquelle bereits 1963 vom Wassernetz abgekoppelt wurde. 1985, nach Kanal- und Straßenbau, wurde dann ein neuer von Hermann Schollenberger, Georg Herr und Hans Betzel konzipierter Laufbrunnen am Riegelplatz errichtet, der bis heute vom Wasser der Sumbornquelle gespeist wird. Bereits 1984 hatte der damalige Bürgermeister Georg Herr veranlasst, dass im Zuge der Flurbereinigung eine Kunststoffzuleitung zwischen den Reservoir und dem neuen Brunnen verlegt wurde.

Im Zuge der Flurbereinigung fasste Heinrich Hartmann direkt gegenüber der Villa Rustica eine dauerhafte durchnässte Stelle in einem kleinen Becken, das seither gerne von Hunden/Tieren als Tränke genutzt wird. Dabei handelt es sich um Sickerwasser aus dem Überlauf der oberhalb gelegenen Sumbornquelle.

Die historische Quelle und das alte Wasserreservoir verfielen dann in einen Dornröschenschlaf und wurden von wuchernder Bepflanzung verdeckt. 2017 lenkte der damalige Ortsbürgermeister Günther Trautwein den Blick erneut auf die historische Sumbornquelle. In diesem Jahr feierte die Gemeinde ihre erste urkundliche Erwähnung von 767 n. Chr. mit dem Jubiläum „1250 Jahre Weinbaugemeinde Albig“. Im gleichen Jahr gab es zudem die Aktion „Rheinhessen Tag für Tag – Verborgene Orte öffnen ihre Pforten“. Die Beteiligung an dieser Aktion war für den Bürgermeister eine Herzensangelegenheit und für die bedeutende rheinhessische Weinbaugemeinde unabdingbar, denn im Jubiläumsjahr sollte auch ein Teil des historischen Erbes wieder ins öffentliche Bewusstsein gerückt werden. Die Sumbornquelle und das angeschlossene Reservoir boten somit für beide Aspekte idealtypische Voraussetzungen.

Die Anlage war 2017 jedoch in keinem präsentablen Zustand. In den „Volontären für Albig“ fand Günther Trautwein damals dann die richtigen Partner um die Quelle zu säubern, ausufernden Bewuchs und eingewachsenes Wurzelwerk zu beseitigen, sowie die Bauteile der Zugänge zu Quelle und Reservoir gangbar zu machen und zu sichern. In sieben Einsätzen versetzten die „Volontäre“ die Anlage in einen präsentablen Zustand und veranstalteten am 7. Oktober 2027 einen „Tag der offenen Sumbornquelle“ mit Führungen für die interessierte Bevölkerung.

Da keine Planunterlagen von der historischen Anlage mehr vorhanden waren, führten Gilles Bultel und Karl Dieter Barbig eine Neuvermessung durch, die dann von Gilles Bultel in einer Dokumentation zusammengefasst wurde. Zuvor, am 5. September 2017, übergab Karl Theo (Pilo) Geyer noch drei historische Tonröhren aus der 1794 erfolgten Sanierungsmaßnahme der Quellenzuleitung ins Dorf. Pilo Geyer hatte die Röhren im Zuge der Wegebauarbeiten für die Flurbereinigung geborgen. Sie werden heute in einem Schaukasten im Rathaus aufbewahrt. Nachweise, dass es sich um Bauteile aus römischer Zeit handeln könnte, wurden nicht erbracht.

Literatur:
Hermann Schollenberger: Festbücher Albiger Vereine
Udo Jakob: Geologie der Gemarkung Albig, Alzeyer Geschichtsblätter, Sonderheft 21
Dr. Hans Joachim Schmitt: Das Albiger Weistum
Günther Trautwein: Archiv der „Volontäre für Albig“

Bildersammlung Sanierung der Sumbornquelle:

Am 5.9.2017 übergibt Pilo Geyer Tonröhren der historischen Zuleitung an die Gemeinde.
Am 5.9.2017 übergibt Pilo Geyer Tonröhren der historischen Zuleitung an die Gemeinde.
Die „Volontäre für Albig“ sanieren im August und September 2017  in sieben Arbeitseinsätzen die historische Sumbornquelle und das zugehörige Wasserreservoir
Die „Volontäre für Albig“ sanieren im August und September 2017 in sieben Arbeitseinsätzen die historische Sumbornquelle und das zugehörige Wasserreservoir
Quelle und Einstieg werden von Wurzelwerk und Bewuchs gesäubert. Die eigentliche Quelle liegt unter der Abdeckung in der Mitte.
Quelle und Einstieg werden von Wurzelwerk und Bewuchs gesäubert. Die eigentliche Quelle liegt unter der Abdeckung in der Mitte.
Die Zugänge und Verschlußbauwerke werden gereinigt und wieder gangbar gemacht.
Die Zugänge und Verschlußbauwerke werden gereinigt und wieder gangbar gemacht.
Im Wasserreservoir befindet sich noch heute der Regler für die Löschreserve. Er verhinderte, dass das Reservoir leerlief und im Falle eines Brandes im Dorf Löschwasser fehlte.
Im Wasserreservoir befindet sich noch heute der Regler für die Löschreserve. Er verhinderte, dass das Reservoir leerlief und im Falle eines Brandes im Dorf Löschwasser fehlte.
Überlauf der Sumbornquelle
Überlauf der Sumbornquelle
Blick ins Wasserreservoir
Blick ins Wasserreservoir
Fleißige Helfer bei der Restaurierung
Fleißige Helfer bei der Restaurierung
Grundriss der Quelle
Grundriss der Quelle
Längsschnitt der Quelle
Längsschnitt der Quelle